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NEONGESTYLT AUS DEM WINTERSCHLAF

            

19 | 02 | 2019

Mein Revier ist der Alsterwanderweg. Spazierend, joggend, manchmal sogar per Kanu. Ich teile mein Revier gerne mit einer Menge anderer Leute. Was mich aber wirklich nervt, sind diese Schönwetter-Jogger. Mit den ersten frühlingswarmen Sonnenstrahlen kommen sie allenthalben aus ihren Löchern gekrochen, in denen sie bis eben noch Winterschlaf gehalten hatten. Erkennen kann man sie an ihrer ganz besonders neonleuchtenden Funktionskleidung, top gestylt, super hip, alles neu. Logisch, sie laufen ja heute das erste Mal, den ganzen langen, grauen, nassen, kalten Winter haben sie in mollig warmen Einkaufscentern verbracht und Laufoutfits geshoppt. Während ich also in meinen nicht mehr ganz so ergonomischen Lauftights und grau gewaschener Fleecejacke meine Runde drehe, schnallen die Schönwetter-Erwachten sich ihre tablettgroßen Fitnesstracker um ihre nicht ganz so großen Bizepse und wollen vor allem eins: Gesehen werden. Dazu verkünden sie alle paar Minuten deutlich lauter als nötig (und was ist schon nötig?) ihren Kalorienverbrauch. An jeder dritten Parkbank halten sie an und tarnen ihre Schnappatmung mit Dehnübungen. 

Ob ich neidisch bin? Überhaupt nicht! Ich verstehe nur nicht, dass diese Winterschläfer mir hier plötzlich die Luft verbrauchen. In meinem Revier! 

Aber egal: Nächste Woche regnet es wieder. Dann sind sie verschwunden, die Neongestylten. Ich werde da sein. Streife laufen in meinem Revier. 

Ich glaub, ich hab Telephobie

            

20 | 01 | 2019

Zugegeben, ich schmolle ein bisschen. Immer, wenn ich mit meiner besten Freundin telefoniere, ist sie außer Atem, klappert mit Töpfen oder dröhnt ihre 30 Jahre alte Karre so laut, dass ich höchstens jedes dritte Wort verstehe. Mit anderen Worten: Sie ruft mich nie an, ohne dabei zu joggen, zu kochen, oder irgendwie unterwegs zu sein. Oder alles gleichzeitig.

So ganz allgemein lässt sich beobachten, dass neben dem joggenden Telefonieren auch das gassigehende Telefonieren sehr en vogue ist. Wer das aushält, ist mir schleierhaft. Möchten sie mit jemandem telefonieren, der Ihnen stakkatoartig alle paar Sekunden ins Ohr schreit „Rufus, lass den Chihuahua los!“, „Nein, die Stockente kannst du nicht fressen!“, während Sie gerade versuchen, von, sagen wir, Ihrer Beziehungskrise zu erzählen? 

Dabei reden doch alle von Achtsamkeit. 

Oder hab ich das falsch verstanden? 

Meint die Übung der Achtsamkeit „Achte darauf, wo Du beim Joggen Deine Füße hinsetzt, während Du eine Facetime-Konferenz führst und Dir parallel einen Pullover strickst“? Achso…

Eine Mail dagegen dauert, dafür muss man sich Zeit nehmen. Exklusiv für eine Person. Die ultimative Wertschätzung. Dass meine beste Freundin währenddessen Kaffee trinkt, Zeitung liest und Frühstücksfernsehen schaut? Davon weiß ich nichts. 

RATGEBER ZUM GESUNDEN MENSCHENVERSTAND

            

13 | 02 | 2019

Ich las „Madame Moneypenny“ und sortierte meine Konten. Seitdem mache ich in Aktien und habe den DAX im Blick. Dann las ich „Magic Cleaning“ und sortierte meine Schränke. Seitdem fehlt mir nichts. Danach las ich „Supergesund mit Superfood“ und sortierte meine Küche neu. Seitdem ernähre ich mich von Grünkohl. Als nächstes las ich den „Beziehungsretter“ und sortierte meinen Mann aus. Seitdem ist es sehr ruhig bei mir. Dann las ich „Digital Detox“ und sortierte meine Handyeinstellungen neu. Seitdem ruft niemand mehr an.

Nun laufe ich durch die leere Wohnung und suche.. Nach meinem gesunden Menschenverstand. Den muss ich wohl mit aussortiert haben. Was mache ich denn jetzt? Ich schaue gleich mal, was es da an Ratgebern gibt. Und dazu bestelle ich mir eine Pizza und shoppe mal wieder ordentlich!

ÜBER DIE VORZÜGE DER FREIBERUFLICHKEIT

            

07 | 01 | 2019

Besinnlich ist ja so ein Jahreswechselwort. Oder? Doch, besinnlich soll es sein „zwischen den Jahren“. 

Die Frage ist, wie lange. Zwischen den Jahren ist ja eigentlich am 1. Januar vorbei. Und besinnlich? Wo hört besinnlich auf und fängt beängstigend an? Haben Sie sich schonmal selber angerufen? Ja, ich weiß, weil Sie Ihr Handy nicht finden konnten. Ich frage mich inzwischen mehrmals am Tag, ob meines noch funktioniert. Leuchtet, die Apps öffnen sich, sieht alles normal aus. Aber was, wenn ich nicht angerufen werden kann? Ja bestimmt, da haben sicher schon zehn potentielle Auftraggeber angerufen, also versucht anzurufen, aber.. Kaputt! Das muss es sein, ich wähle auf dem Festnetz meine Nummer.. ein Geräusch! Eins, das ferne Erinnerungen wachruft.. Es klingelt doch tatsächlich – mein Handy! Nur schade, dass ich selber dran bin. Gut, oder nicht gut, dann ist das auch nicht der Grund. Für diese.. überbordende Besinnlichkeit. Also wenn jetzt der Eindruck entstanden ist, es liefe gerade nicht so bei mir.. Naja.. Ist ja auch schön, mal Zeit zu haben, nicht? Fenster putzen, was im Garten machen, Staubsaugen, Einkaufen. Ist schon doll mit der Freiberuflichkeit, man kann einkaufen, wenn es sonst keiner tut! Leere Gänge, kein Stau an der Kasse. Das ist echte Selbstverwirklichung: Sich die Zeit selbst einteilen, seinen Biorhythmus leben, keine Zeiterfassung, keine Urlaubsanträge. Also für mich eine echte Errungenschaft des modernen Arbeitens! Und so schweigt das Handy weiterhin, ich schiebe durch besinnlich leere Gänge und suche meine Selbstverwirklichung – bei Aldi.

Ein ganz entspannter SonntagAbend..

            

16 | 12 | 2018

Dein Mann wünscht sich einen Kuchen für die Arbeit. Staub gesaugt, Betten bezogen, Bad geputzt hast du schon. Nun backst du. Er liest Zeitung. Seit zweieinhalb Stunden. Auf dem Weg in die Küche fällt dir ein, dass die Wäsche schon seit über zwei Stunden fertig sein müsste, aber Aufhängen kannst du, wenn der Kuchen im Ofen ist. Im Orangenabrieb landet so viel Fingernagel und -knöchel, dass jeder Vegetarier schonmal raus wäre. Der Mixer hat den Teig noch gar nicht berührt, da klebt schon mehr an der Wand als in der Schüssel. Endlich steht das, was doch noch übrig geblieben ist, im Ofen. Bei der Glasur rutscht dir die Rumflasche aus; keine Creme, sondern Soße. Du willst dir gar nicht vorstellen, wie das dem Kuchen bekommt, stellst es dir auch nicht vor, gießt einfach drüber. In dem Moment kommt der Mann in die Küche, um.. ja, um den Abwasch zu erledigen! Man muss wissen, dass er derjenige ist, der einen Geschirrspüler verweigert. Seit Tagen türmt sich dreckiges Geschirr auf nunmehr drei Metern der Küchenanrichte. Das also ist jetzt dein Moment! Dein Moment absoluter.. Glückseligkeit. Gleich gibt es Tatort.

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Hast Du ein spannendes Projekt? Brütest Du eine Idee aus? Wollen wir uns vielleicht mal kennenlernen? Zusammen brüten? Ich freue mich, wenn Du Hallo sagst.

Saselbergweg 1 | 22395 Hamburg

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